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Aktuelles

Hilfe frei Haus – Pflege für die Psyche

14.05.2018

Von links: Marion Hartmann und ihre Kollegin Manuela Metzler.

Zum Tag der Pflege am 12.05.2018 berichtet Marion Hartmann über den ambulanten psychiatrischen Pflegedienst.

Manchmal benötigen Menschen zuhause eine Pflege, die  über das Körperliche hinausgeht. Nämlich dann, wenn sie durch eine psychiatrische Erkrankung in eine Lebenskrise geraten sind, aber dennoch in ihrem persönlichen Umfeld leben möchten. Marion Hartmann und ihr Team sind seit August 2016 im nördlichen Dillkreis unterwegs, um diese Menschen zu unterstützen.

„Mit dem Vitos ambulanten psychiatrischen Pflegedienst (APP) Herborn schließen wir eine signifikante Lücke in der psychiatrischen Versorgung im nördlichen Lahn-Dill-Kreis“ erzählt die Leiterin des Pflegeteams. „Unsere Betreuung hat ganz individuelle Aufgaben. Durch die Besuche bei den Patienten zuhause konnten wir in den vergangenen anderthalb Jahren einige Krankenhausaufenthalte vermeiden“. „Es kam aber auch vor, dass Patienten nach dem stationären Aufenthalt frühzeitig wieder nach Hause entlassen werden wollten und zeitweise Unterstützung in der Bewältigung ihres Alltags benötigten“, berichtet sie. Weiter erinnert sie sich an eine Patientin, die aufgrund ihrer Angststörung nicht alleine einkaufen gehen konnte. Dies tat sie immer nur zusammen mit ihrem Mann. Als er dann selbst im Krankenhaus lag, haben Hartmann und ihr Team sie dabei unterstützt. Inzwischen traut sie sich wieder zu, kleinere Einkäufe alleine zu bewältigen. Eine andere Patientin war gerichtlich stationär untergebracht und sollte in ein Heim verlegt werden. Mit der Unterstützung des APP konnte die gerichtliche Unterbringung der älteren Dame aufgehoben werden.

Der APP bietet eine individuelle Betreuung nach den Bedürfnissen der Patienten an. Im Team arbeiten ausschließlich examinierte psychiatrische Fachkrankenschwestern und –pfleger, die langjährige Berufserfahrung haben. Bis zu zweimal täglich suchen Marion Hartmann und ihre Kollegen die Patienten zuhause auf. Einzelne Maßnahmen stimmen sie zuvor mit dem behandelnden Arzt ab. Gemeinsam mit den Betroffenen erarbeiten sie Strategien, um Krisen jederzeit bewältigen zu können. Wenn die Patienten es wünschen, bezieht der psychiatrische Pflegedienst die Angehörigen oder andere Menschen des persönlichen Umfeldes ein. Der APP bietet ergänzende Hilfen wie kognitives- und Gedächtnistraining oder lebenspraktisches Training angstbesetzter Alltagssituationen und -tätigkeiten an. Gerne koordiniert der APP auch weitere Unterstützungsangebote.

Die ambulante psychiatrische Pflege wird vom behandelnden Arzt verordnet. Die Kosten dafür übernehmen die Krankenkassen. Im Regelfall ist das Angebot auf vier Monate befristet. Für weitere Informationen gibt Marion Hartmann, Tel. 02772 – 504 – 17 80 oder per E-Mail an app(at)vitos-herborn.de Auskunft. 

Hintergrund:

Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) hat 2005 die Richtlinien der häuslichen Krankenpflege um die psychiatrische Krankenpflege ergänzt. Sie soll dazu beitragen, dass psychisch kranke Menschen ein würdiges, eigenständiges Leben in ihrer gewohnten häuslichen Umgebung führen können. Ziel der psychiatrischen Krankenpflege ist außerdem, wiederkehrende Klinikaufenthalte zu vermeiden und Behandlungsabbrüchen vorzubeugen. Die psychiatrische Krankenpflege wird von Ärzten für Nervenheilkunde, Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapeutische Medizin sowie Ärzten mit Zusatzbezeichnung Psychotherapie verordnet. Auch Hausärzte sind berechtigt, die psychiatrische Krankenpflege zu verordnen, wenn die Diagnose fachärztlich gesichert ist, hauptsächlich bei Demenzerkrankungen, Schizophrenien, Depressiven Störungen oder Panikstörungen.