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Wenn aus Mama Papa wird / Der kleine Unterschied

27.11.2017

Foto (Kerstin Pulverich, Vitos Herborn): Von links: Geschäftsführer Martin Engelhardt, Ute Tolks-Brandau, Dr. Sophinette Becker und Prof. Matthias Wildermuth

Fachleute beschäftigen sich beim 37. Arbeits- und Begegnungsforum in Herborn mit der aktuellen Genderthematik

Herborn, 27. November 2017 / Die Sexualität eines Kindes beginnt schon in den Köpfen der Eltern. Davon ist Prof. Matthias Wildermuth überzeugt. Kaum sei die Schwangerschaft festgestellt, tauche Frage auf: Was wird es denn?“ „Für viele Eltern ist es wichtig, schon vor der Geburt zu wissen, welches Geschlecht ihr Ungeborenes hat. So projiziert man das Kind in eine bestimmte Sexualität.“ erläutert der Klinikdirektor der Vitos Klinik Rehberg den Teilnehmern des Arbeits- und Begegnungsforum in Herborn in seiner Einführung. Die regelmäßige Fortbildungsveranstaltung lockte Ärzte, Psychologen, Sozialarbeiter und andere interessierte Fachbesucher, die sich diesmal mit Geschlechtindentitätsstörungen und sexueller Orientierung bei Kindern und Jugendlichen beschäftigten, in den Festsaal von Vitos Herborn.

Ein Thema, zu dem es das viele noch zu beantwortende Fragen gibt, wie Wildermuth darlegte:
Wann geht es um einen Dissens zwischen Körper und Seele? Wenn die Seele sich weiblich oder männlich fühlt, aber der Körper Merkmale des anderen Geschlechts zeigt. Wann handelt es sich um Übergangsformen, wo tatsächlich auch der Körper eine Unsicherheit gibt, wer man denn sei? Wann handelt es sich um Projektionen oder Einflüsse der sozialen Umwelt? Dr. Ute Tolks-Brandau, die Leiterin der Tagesklinik in Wetzlar, berichtete über die Erfahrungen zur Geschlechtsidentität im klinischen Alltag. Einen Fall schilderte sie sehr eindrücklich. Hier vollzog die Mutter einer jungen Patientin nach der Trennung von dem Vater der Patientin eine Geschlechtsumwandlung zum Mann. Die sprachliche Verwirrung, wer Mutter oder Vater genannt wird, spiegelt die Verwirrung im Rollenverständnis der Eltern wider. Ist die Rolle der Mutter nun die eines Vaters oder behält sie ihre frühere Mutterrolle? Wie wird das von der Tochter empfunden? Wie geht sie mit der neuen Situation um? Als Referentin für den Fachvortrag war die international renommierte Sexualforscherin und –Therapeutin Dr. phil. Sophinette Becker eingeladen. Sie hat viele Jahre die Transsexualitätssprechstunde am Institut für Sexualwissenschaft an der Uniklinik Frankfurt geleitet. Entsprechend ihrer Expertise ging sie auf viele der Fragen ein und nahm die Zuhörer in die verschiedenen Ebenen und Aspekte dieses umfangreichen Themas mit. Nach dem Vortrag hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, an verschiedenen Arbeitsgruppen teilzunehmen. Hintergrund: Die Vitos Klinik Rehberg ist eine Fachklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Sie bietet stationäre, tagesklinische sowie ambulante Aufenthalte für Kinder an, deren Alter zwischen 18 Monaten und 18 Jahren liegt. Die Schwerpunkte der Klinik sind z.B. emotionale, hyperkinetische bzw. neurotische Störungen, Identitätskrisen, Störungen des Sozialverhaltens sowie Beziehungs- und Bindungsstörungen sowie Psychosen.