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Suchtpsychiatrie – Mehr als Entzug

01.02.2018

Hochrangige Fachleute beschäftigen sich bei Vitos Herborn mit dem Thema Suchterkrankungen

Arbeitskreis Sucht der Bundesdirektorenkonferenz (BDK) trifft sich bei Vitos Herborn

Herborn, 30. Januar 2018 / Unter dem Thema „Indikation, Setting und Entlassmanagement in der Suchttherapie“ hatte der stellvertretende Vorsitzende der BDK und Klinikdirektor der Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Herborn, Prof. Ulrich W. Preuss, Fachleute aus der gesamten Bundesrepublik nach Herborn eingeladen.

 

Vitos Herborn Geschäftsführer Martin Engelhardt begrüßte die Teilnehmer der zweitägigen Konferenz und freute sich, der Gastgeber der hochkarätigen Fachleute zu sein. Er nannte die Suchterkrankungen eine besondere Herausforderung in der medizinischen Behandlung. Zum einen wegen sich verändernder Substanzen und zum anderen wegen Abhängigkeitserkrankungen, die nicht an eine Substanz gebunden sind, wie beispielsweise die Spielsucht.

„Sucht ist mit all ihren Folgen die zweithäufigste Behandlungsursache in unseren psychiatrischen Kliniken. Entsprechend hoch ist unser Interesse an neuen Erkenntnissen in der Therapie suchtkranker Menschen“ schloss sich Reinhard Belling, Geschäftsführer  Vitos GmbH, an.

Auch die politischen Vertreter vom Lahn-Dill-Kreis und Herborn, Wolfgang Schuster und Hans Benner, begrüßten die Anwesenden persönlich und brachten damit ihre Unterstützung von überregionalen Fachtagungen in der Region zum Ausdruck. Landrat Schuster betonte die Bedeutung von Suchtbekämpfung im Landkreis und stellte heraus, wie wichtig es sei, den Betroffenen zu helfen, den oft vorhandenen Teufelskreis zu durchbrechen.

 

Im Zentrum der Tagung standen verschiedene Konzepte zur Behandlung unterschiedlicher Gruppen von Abhängigkeitserkrankten. Dabei stellte Dr. med. Hubertus Friedrich, Ärztlicher Leiter der Klinik für Suchterkrankungen in Zwiefalten, das Konzept ‚Sucht Plus‘ vor. Seine Klinik in Baden-Württemberg hat gute Erfahrung damit gesammelt, den Patienten zwischen der Entgiftung und der Behandlung in Rehabilitationseinrichtungen eine Zwischenphase anzubieten. So können Begleiterkrankungen der Sucht behandelt werden, sowohl körperlicher als auch seelischer Natur. Das helfe den Patienten sehr, einen Weg aus der Sucht zu finden.

Dr. med. Katharina Schoett, Chefärztin Abteilung für Suchtmedizin des Ökumenischen Hainich Klinikums, berichtete von der Patientengruppe der chronisch suchtkranken Patienten, die schon lange Jahre abhängig sind. Ihrer Einschätzung nach haben diese Menschen eine geringe Lobby und es gibt für sie wenig spezialisierte Angebote im Hilfesystem. Diese Patienten leiden meist unter vielen Beeinträchtigungen: teils durch die Sucht entstanden, teils durch die damit verbundenen Lebensbegleitumstände verursacht. Gerade bei ihnen sei es der Auftrag der Mediziner, sich im Sinne von „bessern, lindern und verhüten von Schlimmeren“ zu engagieren. Ziel sei es, diese Menschen zu befähigen, eine Rehabilitation zu beginnen, was manchmal eher ein caritativer Auftrag sei als eine medizinische Herausforderung. Aktuelles zu Cannabis als Medikament wurden von Frau PD Dr. Eva Hoch, und Tabakkonsumstörungen von Dr. Tobias Rüther,  beide Klinik und Poliklinik für Psychiatrie der Ludwig-Maximilians-Universität München berichtet. Ebenfalls wurden Risiken des nicht-medizinischen Cannabiskonsums von Prof. Ulrich Preuss referiert.

 

Die Veranstalter waren mit dem Ablauf der Tagung und den guten und diskussionsreichen Beiträgen zu Einstellungen, Konzepten und Behandlungsstrategien sehr zufrieden.