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Brückenschlag zwischen Körper und Seele

13.12.2017

Herborn, 13. Dezember 2017 /Seit fünf Jahren ergänzt die Vitos Klinik für Psychosomatik das Angebotsspektrum des Vitos Klinikums Herborn. In einer Fachveranstaltung zum ersten Klinikjubiläum stellte Klinikdirektorin Elke Röming das Klinikkonzept vor und Prof. Dr. Johannes Kruse vom Universitätsklinikum Gießen-Marburg referierte zu „Neue Wege in der Psychosomatik“.

„Nachdem wir 2010 grünes Licht durch den Feststellungsbescheid des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration bekommen hatten, kamen im März 2012 die ersten psychosomatischen Patienten. Dem ging eine aufwändige Renovierung eines historischen Gebäudes voraus.“ Geschäftsführer Martin Engelhardt erinnerte in seiner Begrüßung an die Anfänge der Klinik und gratulierte Klinikdirektorin Röming zu der sehr guten Entwicklung. Denn kurz nach dem fünften Geburtstag der Klinik wurde die Kapazität erweitert: Im August eröffnete eine weitere Station, so dass nun insgesamt 40 Patienten aufgenommen werden können.

Halt und Geborgenheit für Patienten

„In unserem psychosomatischen Verständnis sehen wir Körper, Geist und Seele als eine Einheit.“ erläuterte Röming. „Wir wollen erkennen, woher die Beschwerden der Patienten kommen und ihnen helfen, sie zu verbessern. Wenn möglich sogar heilen, aber dies ist ein hoher Anspruch. Manchmal geht es auch darum, Verschlechterungen zu vermeiden.“ Die Klinikdirektorin hob hervor, dass für die individuellen Behandlungspläne, die einen großen Kanon von Therapien beinhalten, verschiedene Berufsgruppen Hand in Hand zusammen arbeiten. “Als Klinikdirektorin mit ganzem Herzen bin ich sehr dankbar, dass wir gemeinsam die Klinik weiterentwickeln konnten“ machte Röming ihre wertschätzende Haltung deutlich.

Zusammenhänge zwischen Gefühlen und körperlichen Symptomen erkennen

Prof. Kruse beobachtet oftmals ein Beziehungsproblem zwischen Arzt und Patienten. Patienten mit Schmerzen und körperlichen Beeinträchtigungen könnten in einen Teufelskreis geraten, wenn für ihre Beschwerden keine körperliche Ursache gefunden wird und sie deshalb ihr Leid nicht vermitteln könnten. Sie fühlten sich wegen der fehlenden Diagnose von den Ärzten nicht ernstgenommen. Viele von ihnen setzten ihre Hoffnung dann auf einen anderen Mediziner, von dem sie jedoch abermals enttäuscht würden, weil auch dieser keinen körperlichen Befund feststellen kann. Kruse appellierte an die Ärzte, sich auf die Not der Patienten einzulassen und sich intensiv um eine vertrauensvolle Beziehung zu bemühen. Er sprach davon, eine therapeutische Arbeitsbeziehung aufzubauen, in der es dem Patienten möglich wird, den Zusammenhang zwischen den körperlichen Beschwerden und seinen Gefühlen wahrzunehmen. Der Patient lernt, Körperzustände angemessen zu interpretieren und die Emotionen samt den körperlichen Begleiterscheinungen als zusammenhängend zu spüren.

Für viele Betroffene ist es sehr kränkend, sich die psychische Komponente einer Erkrankung einzugestehen. Aber wenn es Patienten gelingt, ein psychosomatisches Krankheitsverständnis zu entwickeln, können Beschwerden gut mit einer Psychotherapie bearbeitet werden.

Als eindrückliches Beispiel schilderte Kruse den Fall einer 80jährigen Patientin. Sie hatte wegen Herzbeschwerden insgesamt 18 Herzkathederuntersuchungen. Weil die Beschwerden anhielten und sie von einer organischen Ursache überzeugt war, bestand die Patientin immer wieder auf einer weiteren Untersuchung. Alle blieben ohne Befund. In psychosomatischer Behandlung gelang es ihr, den Ursachen auf den Grund zu gehen und zu bearbeiten. Ursächlich konnte ein jahrelanger Beziehungskonflikt erkannt und in paartherapeutischen Gesprächen bearbeitet werden.

 

Hintergrund:

Das medizinische Fachgebiet der Psychosomatischen Medizin befasst sich in Forschung und Therapie mit den Zusammenhängen zwischen psychischen und körperlichen Vorgängen. Daher werden körperliche Erkrankungen hier stets auch im psychischen und sozialen Zusammenhang betrachtet. Dies ist keine Einbahnstraße, da körperliche Erkrankungen die Psyche ebenso beeinflussen wie psychische Erkrankungen das körperliche Wohlsein. Auch soziale Faktoren wie Familie, Beruf, Freunde und Interessen haben dabei einen großen Stellenwert. Sie können einerseits Sicherheit geben, andererseits aber auch stark verunsichern. Kritisch wird es, wenn die Psyche mit den sozialen Belastungen nicht mehr klarkommt.

 

In der Vitos Klinik für Psychosomatik Herborn finden Menschen Hilfe, die

- unter körperlichen Krankheitssymptomen leiden, obwohl eine körperliche Erkrankung in gründlichen Voruntersuchungen ausgeschlossen wurde oder den Umfang der Beschwerden nicht ausreichend erklären kann

- psychisch erkrankt sind (beispielsweise Angsterkrankungen, Depressionen) und eine körperliche Begleitsymptomatik aufweisen

- psychische Beschwerden zeigen, die von einer belastenden körperlichen Grunderkrankung oder durch andere traumatisierende Erfahrungen ausgelöst werden

Die Patienten werden mit intensiver Psychotherapie in Einzel- und Gruppensitzungen, mit Spezialtherapien wie Kunst-, Musik- und Bewegungstherapie, Entspannungsverfahren, Achtsamkeitsübungen und körperlicher Aktivierung behandelt.