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Lernstörung

Was versteht man unter einer Lernstörung?

Als Lernstörung bezeichnet man eine Störung der Lernfähigkeit. Lernfähigkeit meint das Vermögen eines Kindes oder Jugendlichen, die innere Organisation von Wissen und informationsverarbeitenden Strategien effektiv auf Problemsituationen anzuwenden. Hierin deutet sich an, dass zwischen intellektueller Leistungsfähigkeit und den informationsverarbeitenden Prozessen  unterschieden werden kann, und Kinder mit Einschränkungen solcher Verarbeitungsprozesse ihre intellektuellen Fähigkeiten möglicherweise nicht ausschöpfen.

Auf Grund ihrer Dauer und Intensität können passager-thematisch umschriebene und persistierend-allgemeine Lernstörungen unterschieden werden. Erstere erscheinen als Aneignungsbeeinträchtigungen z.B. dem Erlernen des Schreibens (und Lesens) oder des Rechnens (umschriebene Entwicklungsstörungen schulischer Fähigkeit). Sie gelten insofern als vorübergehend, da grundsätzlich eine spontane und interventionsbezogene Veränderbarkeit gesehen wird. Letztere zeichnen sich durch eine allgemeine Beeinträchtigung der Lernfähigkeit aus und sind am deutlichsten bei allgemeinen Lernschwächen sowie bei sogenannten Lernbehinderungen zu sehen (Intelligenzniveau).

 

Lernstörungen als Folge und Quelle anderer psychiatrischer Problemsituationen:

Aufmerksamkeit kann als Basis intellektuellen Handelns und des Wissenserwerbs gesehen werden. Deren Mangel tritt am auffälligsten bei Aufmerksamkeits- und Aktivitätsstörungen zu Tage. Mangelnde Fokussierungsfähigkeit kann allerdings auch Folge anderer psychischer Problemlagen, z.B. einer depressiven oder angstbezogenen Entwicklungen sein und auf diese Weise das Lernen erschweren. Genaues hinsehen und zuhören können und optische und akustische Signale gut gegeneinander abzugleichen gehört ebenfalls zu den Basisfertigkeiten des Lernens. Auch hier kann eine Beeinträchtigung bestehen. 

Kinder mit Teilleistungsstörungen wie der Lese-Rechtschreibstörung erleben diese oftmals als einen inneren Bruch, stehen häufig verzweifelt vor sich selbst. Teilweise müssen sie damit leben lernen, auch bei gutem Engagement und zusätzlichen Lernen nicht die Schulerfolge erfahren zu können, welche zum Teil Mitschüler ohne Lerneinschränkung bei deutlich geringerem Aufwand erreichen können.

Mit Blick auf die allgemeine intellektuelle Leistungsfähigkeit unterscheiden wir  Lernbehinderung mit und ohne bekannter Hirnstörungen sowie Hirnstörungen ohne geistige Behinderungen. Auch wenn geistige Behinderung keine psychiatrische Störung ist, stellt sie doch einen starken Risikofaktor dar. Wichtig erscheint in diesem Zusammenhang eine Anpassung des Schulniveaus an die Möglichkeiten des Kindes.

Sehr häufig erleben Kinder mit Lernstörungen in der Schule und in ihrem sozialen Umfeld Misserfolge. Diese haben oft negative Auswirkungen auf ihr Begabungsselbstbild, Anspruchsniveau und Ergebniserwartung. Langfristig verdichten sich diese Erfahrungen bis hin zur erlernten Hilflosigkeit, so dass motivierte Lernhandlungen immer weniger wahrscheinlich werden. Sie können auch Meidungsstrategien, expansive Verhaltensweisen und auch ängstlich-aggressives Verhalten entwickeln. Einige Kinder entwickeln psychosomatische Beschwerden, Leistungsängste und Schulphobien.

Lernstörungen können auch durch ungünstige familiäre Bedingungen, wie z.B. mangelnde Anregungen und Unterstützung begünstigt werden. So wird erfolgreiches schulisches Lernen durch Propagieren angemessen hoher Schulleistungen, die Wertschätzung schulischer Leistungen, die Anregung und Gewährung von Selbständigkeit sowie elterliche Unterstützung in schulischen Belangen gefördert.

Behandlung:

Wir empfehlen zumeist eine differenziert Leistungsdiagnostik, welche das psychosoziale Erleben des Kindes mit einbezieht. Gemeinsam mit Eltern und Schulen suchen wir nach  differenzierten  therapeutischen und pädagogischen Maßnahmen, um schulische Erfolge wieder möglich zu machen. Regelungen im Sinne eines Nachteilausgleichs durch zeitlich begrenztes Aussetzen der Benotungen gehören hinzu. Kinder mit Lernstörungen haben ein hohes Risiko eine seelische Behinderung zu entwickeln. In Zusammenarbeit mit der Jugendhilfe werden auch nach Möglichkeiten der schulischen Förderung und Unterstützung der Eltern bei der Erziehung  gesucht. Sollten ambulante Maßnahmen nicht ausreichen, können auch stationäre Behandlungen geplant und in Zusammenarbeit mit der uns angegliederten Rehbergschule ein angemessenes psychotherapeutisch-pädagogisches Behandlungskonzept erarbeitet werden.