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Essstörung

Es gibt verschiedene Formen der Essstörung: die Magersucht (Anorexie) und die Ess-Brechsucht (Bulimia nervosa). Ihnen ist gemeinsam, dass sich die Betroffenen als zu dick empfinden, auch wenn sie dünn sind oder erhebliches Untergewicht haben.

Während bei der Anorexie die Gewichtsabnahme willentlich, also durch Hungern, Missbrauch von Abführmittel oder exzessiven Sport herbeigeführt wird, kennzeichnen die Bulimie häufige „Fressanfälle“. Der dadurch entstehenden Gewichtszunahme wird durch selbsterzeugtes Erbrechen und/oder genannten Maßnahmen (Missbrauch von Abführmitteln oder exzessiven Sport) entgegengewirkt.

Häufig kommt es zu depressiven Symptomen, Stimmungsschwankungen, Gereiztheit, Fixierung auf das Thema Essen und Figur. Die Betroffenen zeigen meist keine Einsicht in ihre Problematik.

Langfristig können die Organsysteme in Mitleidenschaft gezogen werden. Dann kann es zu Herz-Kreislaufbeschwerden, Haut-, Knochen- und Zahnveränderungen, Magen-Darmproblemen, hormonellen Veränderungen bis zum Ausbleiben der Regelblutung oder neurologischen Schädigungen kommen.

Etwa 1-3 Prozent der Jugendlichen zwischen 14 und 25 Jahren leiden an einer Essstörung. Betroffen sind überwiegend Mädchen und junge Frauen. Die Ursachen sind vielschichtig: es gibt familiäre und persönliche Belastungsfaktoren wie chronische Konflikte, Ängste vor Verselbständigung oder der körperlichen Entwicklung in der Pubertät. Temperamentsmerkmale und andere genetische Dispositionen und das westliche Schönheitsideal können eine Rolle spielen.

Das ständige Beschäftigen mit dem eigenen Gewicht und Aussehen, Kalorienzählen, geringe oder gar keine Mahlzeiten oder übertriebener Sport können Hinweise auf eine Essstörung sein. Häufige Essattacken gefolgt von Erbrechen sind klare Anzeichen. Oft wird eine stak abgemagerte Figur durch weite Kleidung kaschiert. Ein stetiger Gewichtsverlust sollte beachtet werden. Als Richtgröße kann der Body-Maß-Index (BMI) dienen (Gewicht geteilt durch Größe mal Größe). Dieser Wert sollte über 17,5 liegen.

Behandlung
Die Betroffenen haben meistens kein Problembewusstsein, sodass die Angehörigen aktiv werden. Ein erster Schritt kann die Vorstellung beim Hausarzt und Überweisung in die kinder- und jugendpsychiatrische Sprechstunde sein. Dort wird in einem ausführlichen Gespräch mit Betroffenen und Eltern geklärt, ob eine ambulante Behandlung ausreicht oder ob eine stationäre Behandlung notwendig ist.

Erstes Ziel der Behandlung ist die Stabilisierung des Gewichts zur Verbesserung bzw. zum Erhalt des Allgemeinzustandes und um Organschäden vorzubeugen. Durch psychotherapeutische Einzel- und Gruppengepräche sowie ergänzende Therapien werden Selbstbild und Selbstbewusstsein gestärkt. In der begleitenden Familientherapie lässt sich ein Verständnis für die Hintergründe und den Umgang mit der Erkrankung erarbeiten. Im Rahmen der Milieutherapie erlernen die Patienten eine angemessene Kontaktgestaltung  und Selbstwahrnehmung.

Die Essstörung ist eine ernsthafte Erkrankung, die auch zum Tode führen kann. Viele Krankheitsverläufe sind chronisch. Je eher man daher ein Behandlungsbündnis und eine Einsicht in die Erkrankung erzielt, desto besser.