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Bipolare Störung

Manie und bipolar affektive Störungen - Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt

Eine bipolare affektive Störung (im weiteren nur bipolare Störung genannt) ist eine krankhaft veränderte Auslenkung der Gefühle also vergleichbar mit einer Stimmungsveränderung außerhalb der „Fahrbahn“ der normalen Gefühlauslenkungen.

Jeder von uns kennt Tage, die nicht so gut laufen, an denen man sich gedrückt fühlt und nichts zu funktionieren scheint und auch die andere Seite: Tage, an denen alles fast von allein geht und bestens läuft. Wir können in der Regel einen Anlass oder eine Ursache entdecken, die uns in die ein oder andere Stimmung geführt hat. Für Menschen mit einer bipolaren Störung erscheinen diese Veränderungen oft wie aus heiterem Himmel, ohne Bezug zu einer spezifischen Situation. Sie erleben wiederkehrende Stimmungswechsel. Die Stimmungen bleiben dann wenige Tage oder mehrere Monate stabil, um dann erneut umzuschlagen.

Die beiden extremen Stimmungszustände werden mit Depression und Manie benannt und deshalb heißt diese Erkrankung bei manchen auch manisch-depressive Erkrankung. Depression ist als eigenes Krankheitsbild beschrieben, sodass man dort weiter lesen kann.

Es ist leicht vorstellbar, dass sich jemand der depressiv ist, nicht wohl fühlt und in seiner Lebensqualität beeinträchtigt ist. Manch einer wird sich wahrscheinlich wünschen, immer „gut drauf“ zu sein und sich bombig zu fühlen. Aber auch ein solcher Zustand, als krankhafte Hochstimmung Manie genannt, ist zwar kurzfristig beneidenswert, führt aber häufig zu belastenden Auswirkungen für den Lebensalltag der Betroffenen, die sich unter anderem mit Scham und Schuldgefühlen plagen. Manchmal finden sich auch katastrophale Folgen für die eigenen Finanzen oder Beziehungen.

Zu einer Manie gehört, dass jemand besonders hochgestimmt, aktiv und ruhelos ist. Ein Manischer redet ohne Punkt und Komma, kann sich nicht konzentrieren und ist sehr ablenkbar. Er benötigt wenig oder keinen Schlaf, zeigt ein gesteigertes Interesse an Sexualität und knüpft innerhalb kurzer Zeit vertrauliche Kontakte zu anderen Menschen. Manche Patienten erleben auch Halluzinationen und entwickeln einen Wahn. Jedes einzelne dieser Symptome kann auch Hinweis auf eine andere Krankheit sein, manches auch bei gesunden Menschen vorkommen. Typisch bei einer bipolaren Störung ist, dass Bezugspersonen massiv verwundert sind über die unmittelbare Persönlichkeitsveränderung eines ihnen vertrauten Menschen. Eine Manie zeigt sich nicht nur unter dem Aspekt der Hochstimmung, sondern kann sich auch darin niederschlagen, dass jemand auffällig gereizt und aggressiv gespannt ist.

Manisch kranke Menschen haben im allgemeinen keine Krankheitseinsicht. Sie finden sie sich in Topform und sehen von daher keinerlei Notwendigkeit, ein Krankenhaus aufzusuchen oder Medikamente einzunehmen. Natürlich ist es auch schwieriger, eine eigene Identität zu entwickeln, wenn man sich wiederkehrend in so unterschiedlichen Zuständen erlebt. Das kann anfällig machen für die „Selbsttherapie“ mit Alkohol und Suchtstoffen.

Fallbeispiel

Valentin, 15 Jahre alt, wohnt in einer Kleinstadt im Haushalt seiner Eltern. Der Mutter fällt auf, dass der ansonsten eher ruhige Sohn, bei einer Party die Nacht durch macht. Auch in den nächsten Tagen schläft er deutlich weniger als sonst üblich. Er ist aufgedreht und hört noch bis in die Nacht hinein Musik, ohne auf die Lautstärke zu achten. Die Mutter muss ihn ermahnen, aber das Leisestellen hält nur kurzfristig an. Die Nachbarn machen nach sechs solcher Abende ihrem Ärger Luft. Valentin, der ansonsten eher Konflikte vermeidet, zeigt sich nicht beeindruckt, er droht vielmehr lautstark damit, sein Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit in Anspruch zu nehmen.

Valentin ist Schüler der 9.Klasse eines Gymnasiums. Er gehört aus Sicht der Mitschüler und Lehrer eher zu den stillen und zurückhaltenden. Deshalb sind alle verwundert, als er plötzlich im Religionsunterricht sich nicht nur zu Wort meldet sondern auch so lange Beiträge abgibt, dass die Fachlehrerin sich mühen muss, ihn zu unterbrechen. Selbst dann noch setzt der Schüler seine Ausführungen fort und ist Einwürfen anderer gegenüber nicht zugänglich. Auch ist es schwierig seinem Gedankengang zu folgen, weil er wiederholt vom Hölzchen aufs Stöckchen kommt.

An den Nachmittagen fährt er in die Stadt, nimmt von sich aus Kontakt zu ihm unbekannten Jugendlichen auf und spricht mehrere Mädchen an, ob sie nicht seine Freundin sein wollen, sucht sogar unmittelbaren Körperkontakt. Er schmeißt in einer Disko eine Lokalrunde, die er selbst nicht bezahlen kann. Nach 2 Wochen kippt Valentins Stimmung: er ist gedrückt, geht nicht mehr aus dem Haus und ist zutiefst beschämt, wenn andere über sein Auftreten in der Zeit davor reden.

Eine bipolare Störung entsteht meist im Alter zwischen zwanzig und dreißig Jahren, kann aber auch schon bei Jugendlichen vorkommen. Bei Kindern ist sie extrem selten. Einzelne Forscher gehen von einer Häufung dieser Störung im Lebenslauf von Kindern und Jugendlichen mit einer hyperkinetischen Störung aus. Dazu gibt es widersprüchliche Zahlen. Nicht selten finden sich weitere Familienmitglieder, die auch an dieser Störung erkrankt waren oder sind.

Als Ursache für eine bipolare Störung ist eine Stoffwechselstörung im Hirn anzusehen. Auslöser sind manchmal Überforderungssituationen.

Zur Behandlung einer bipolaren Störung gibt es Medikamente. Diese können die entsprechende Phasen beeinflussen und auch vor dem Wiederauftreten weiterer Phasen schützen. Daneben ist es notwendig, die Familie mit einzubeziehen mit ihren jeweiligen Beziehungsmustern und ihren Möglichkeiten Schutz- und Entwicklungsraum für den Jugendlichen zu sein. Zudem sollte die schulische/berufliche Belastung am aktuellen Zustand des Jugendlichen ausgerichtet sein.

Es gibt eine Deutsche Gesellschaft für bipolare Störungen. Auf deren Internetseite finden sich weitere nützliche Informationen, allerdings bezogen überwiegend auf Erwachsene.

Es gibt eine Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie zum Krankheitsbild.