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Autismus (tiefgreifende Entwicklungsstörung)

Was sind autistische Störungen?
In der Bezeichnung Autismus, das auf das griechische Wort „autos = selbst“ zurückgeht, wird bereits ein ganz wesentliches Kennzeichen einer autistischen Störung beschrieben, und zwar der Begriff der Selbstbezogenheit; die Einengung auf das eigene Selbst mit deutlichen Einschränkungen in Beziehungen zur Umwelt.

Letztlich handelt es sich bei einer autistischen Störung um eine behandlungsbedürftige, lebenslang bestehende schwere Kommunikationsstörung und ein insgesamt schwierig zu verstehendes und komplexes Störungsbild. Autistische Störungen gehören zu den sog. „tiefgreifenden Entwicklungsstörungen“ , eine Gruppe von Störungen, die durch qualitative Beeinträchtigungen in der gegenseitigen Interaktion und Kommunikation, sowie durch ein eingeschränktes, sich wiederholendes Repertoire von Interessen und Aktivitäten charakterisiert sind.

Hinter den Bezeichnungen „tiefgreifend“ und „Entwicklungsstörungen“ verbirgt sich bereits, dass solche Störungen von frühester Kindheit an bestehen, über den gesamten Entwicklungsverlauf vorhanden bleiben und in allen Situationen auftreten.

Innerhalb der Gruppe der tiefgreifenden Entwicklungsstörungen werden nochmals unterschiedliche Störungskategorien differenziert, wie z.B. der frühkindliche oder Kanner-Autismus, der atypische Autismus oder das Asperger- Syndrom sowie einige weitere.

Welche Auffälligkeiten haben Menschen mit einer autistischen Störung? Autisten zeigen oft deutliche Auffälligkeiten im Kontaktverhalten. Sie weisen häufig einen Mangel auf, spontan Freude, Interessen, oder Tätigkeiten mit anderen zu teilen, bleiben eher auf eigene Handlungen bezogen und ihnen fällt die Beziehungsaufnahme zu Gleichaltrigen sichtlich schwer. Weiterhin zeigen sie meist eine Empathiestörung. So sind sie unfähig, Gefühle anderer zu erspüren, emotional mitzuschwingen und sie sind oft nicht in der Lage, Bedürfnisse und Sichtweisen eines anderen Menschen zu erkennen und entsprechend zu reagieren. In der Folge ergeben sich häufig Mißverständnisse. Auch ist ihr nonverbales Verhalten oft von der Norm abweichend. Autisten zeigen einen deutlich reduzierten mimischen Ausdruck. Der Blickkontakt ist meist auffällig und auch die Gestik erscheint eingeschränkt. Auch Sprachauffälligkeiten, wie z.B. eine abnorme Intonation, Lautstärke, Rhythmus, Tempo, Echolalien oder ein stereotyper Sprachgebrauch sind bei Autisten häufig. Eine wechselseitige Kommunikation ist mit ihnen meist nicht möglich und Betroffene zeigen wenig Interesse an den Belangen des Interaktionspartners. Weiterhin ist das Spielverhalten oft nicht altersentsprechend, eher rigide und wenig kreativ. Außerdem liegen oft massive Veränderungsängste, Wutausbrüche und aggressive Verhaltensweisen und in einer Vielzahl der Fälle zudem eine begleitende andere Störung (Komorbidität), wie z.B. eine Depression, Angst-,  Zwangs- oder Essstörung vor. 

Wie entstehen autistische Störungen und wie werden sie erkannt?
Bei den autistischen Störungen wird eine multifaktorielle Entstehung angenommen, d.h. kein einzelner Faktor ist für die Erkrankung verantwortlich, sondern vielmehr ein komplexes Zusammenspiel mehrerer Faktoren.

Neben genetischen Faktoren können assoziierte körperliche Erkrankungen (tuberöse Sklerose, fetales Alkoholsyndrom, fragiles X-Syndrom etc.), biochemische Anomalien, Hirnschädigungen bzw. Hirnfunktionsstörungen, neuropsychologische und kognitive Auffälligkeiten sowie emotionale Störungen und Störungen der Empathie eine Rolle bei der Entwicklung einer autistischen Störung spielen. Letztlich gelten die Autismus-Spektrum Störungen mittlerweile als Funktionsstörungen des Gehirns, denen eine genetische Verursachung zugrunde liegt. Autisten besitzen ein nicht hinreichend integriertes Gehirn, d.h. einzelne psychische Funktionen sind unzureichend aufeinander abgestimmt und weder entwicklungs- noch situationsangemessen koordiniert.

Erste Hinweise auf eine autistische Problematik liefert das Verneinen z.B. folgender Fragen:

  • Zeigt Ihr Kind Interesse an anderen Kindern?
  • Hat es Freunde?
  • Schien es als kleines Kind interessiert an anderen Kindern?
  • Erscheint es interessiert an den Kommentaren und Bemerkungen des Gesprächspartners?
  • Versucht es sie zu trösten, wenn sie traurig sind?
  • Haben sie den Eindruck, dass es mitbekommt, was andere Menschen denken, beabsichtigen oder sich vorstellen?

Falls der Verdacht auf eine autistische Symptomatik aufkommt, ist dringend eine professionelle Abklärung in einer unserer kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulanzen zu empfehlen.  Nur mittels einer Vielzahl diagnostischer Verfahren (Screening-Fragebögen, standardisiertes Interview und Verhaltensbeobachtung: ADI, ADOS) sowie unseres klinischen Eindrucks kann eine sichere Diagnose gestellt werden.

Behandlung
Wichtig bei einer autistischen Störung ist eine störungsspezifische und individuell ausgerichtete Therapie, sowie das Wissen, Autismus erfordert langjährige Unterstützung. Als sehr hilfreich hat sich ein multimodaler Behandlungsansatz herauskristallisiert, der neben der individuellen Psychotherapie mit dem Betroffenen auch die Arbeit mit den Eltern, pädagogische Maßnahmen, Frühförderung etc. umfasst. Allgemein günstig ist es, eine Therapie so früh wie möglich zu beginnen. Die Behandlung sollte möglichst umfassend sein und im Entwicklungskontext steht.

Es gibt eine Vielzahl an spezialisierten Autismus-Therapieinstituten (www.autismus.de), die eine spezifische Behandlung anbieten, ebenso kann eine ambulante Psychotherapie bei niedergelassenen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten in Anspruch genommen werden.