Sie befinden sich auf: >Einrichtungen > Psychiatrie

Sucht- und Abhängigkeitserkrankungen

Sucht erkennt man im Wesentlichen an der verlorenen Fähigkeit zur freien Steuerung des Konsumverhaltens. Hauptsymptom ist der „Kontrollverlust“. Körperliche Entzugserscheinungen können, müssen aber nicht hinzukommen. Folge einer Suchterkrankung können Isolation und der Verlust der sozialen Beziehungen, finanzieller Ruin und Arbeitsunfähigkeit sein.

Prinzipiell kann jeder abhängig werden von

  • Alkohol,
  • Beruhigungsmitteln,
  • Aufputschmitteln,
  • Schmerzmitteln,
  • Heroin,
  • Kokain,
  • Cannabis,
  • Lösungsmitteln oder
  • Nikotin.

Nach dem gleichen Muster funktionieren auch „stoffungebundene Süchte“, bei denen es nicht um eine berauschende Substanz geht, sondern um ein Verhalten, das süchtig betrieben wird:

  • Glücksspiel,
  • PC und Internet,
  • Essen,
  • Kaufen,
  • Arbeiten oder
  • Sport.

Der Übergang vom normalen Konsum zum schädlichen Gebrauch und weiter zur Abhängigkeit ist fließend. Deshalb ist oft die Diagnostik durch einen Experten erforderlich. Sucht und Abhängigkeit werden von der WHO als zu behandelnde Krankheit und nicht als Persönlichkeitsschwäche eingestuft.

Genetische und andere biologische Faktoren sind bei der Entstehung beteiligt. Hinzu kommen oft Entwicklungs- und Umgebungsfaktoren, einschließlich der Verfügbarkeit von Suchtmitteln. Von schädlichem Gebrauch und Abhängigkeit sind viele Menschen (mindestens 10% der Bevölkerung) betroffen.

Eine qualifizierte Suchtbehandlung widmet sich zunächst der Behandlung von Entzugserscheinungen und akuten Suchtfolgeschäden. Dann muss jedoch die psychische Ebene der Suchtkrankheit berücksichtigt werden. Die im Stoffwechsel des Gehirns verankerte Lernerfahrung („Suchtgedächtnis“) begründet meist eine lebenslange Rückfallgefährdung. Das Wesen der Sucht als Rückfall-Erkrankung erfordert eine Behandlungsform, die auf mehrfache Behandlungen ausgelegt ist und die die eigenen, jeweils aktuellen Erfahrungen der Betroffenen für den Behandlungsprozess nutzt.

Die spezialisierten Stationen unseres Suchtbereichs bieten Betroffenen

  • Entgiftungs- und Motivationsarbeit (ggf. von Medikamenten unterstützt)
  • psychotherapeutische Interventionen,
  • spezifische psychiatrische Behandlungen sowie falls im Einzelfall erforderlich
  • Substitutions-Behandlung („Ersatzdrogen“, z.B. Methadon statt Heroin).

Im Anschluss an eine vollstationäre Behandlung kann eine tagesklinische oder ambulante Nachbetreuung stattfinden. Darüber hinaus bieten wir Betroffenen eine ambulante Beratung zur Diagnostik und Entscheidungshilfe an.

Bei längeren Krankheitsverläufen empfiehlt sich häufig eine Entwöhnungstherapie von mehreren Wochen bis Monaten, um die psychischen Aspekte der Abhängigkeit zu therapieren. Bei der Vermittlung und der Verlegung in hierfür spezialisierte Einrichtungen sind wir behilflich.

weiter zu


zurück